Achtsamkeit Entspannung

Das erste Mal etwas tun

Wann hast du das letzte Mal etwas zum ersten Mal getan?

Ich saß am Wochenende mit einer Freundin zusammen in einem Cafe und wir schlürften Tee. Zugegeben, das haben wir nicht das erste Mal gemacht. Aber wir kamen auf das Thema, als sie mir in voller Euphorie erzählte, dass sie das erste Mal in ihrem Leben auf einem Pferd geritten ist. Sie erzählte mir, wie sie so auf dem Pferderücken saß und auch schon bei der zweiten Stunde galoppiert ist. Wow, das schon nach so kurzer Zeit, dachte ich mir. Ich wurde gleich angesteckt von ihrem Gefühl. Und wir kamen auf Dinge, die wir das erste Mal gemacht haben.

So bin ich neulich bei einem organisierten Treffen auf 10 Leute gestoßen, die ich nicht kannte und zudem wussten wir alle nicht genau, was der Hintergrund des Treffens ist. Aufhängepunkt war nur, dass wir allesamt einen Blog lesen. Das war spannend, denn schnell kam es zu interessanten Gesprächen und Gemeinsamkeiten.

Auch beim Kurs für Ausdrucksmalen stieß ich auf neue Menschen, die kreativ und offen für Neues sind. Die Leitung gab uns den Auftrag, eine Geschichte in 15 Minuten zu scheiben. Der Auftrag gefiel mir zunächst überhaupt nicht. Ist ja klar, die Komfortzone hat sich gemeldet. Ich hatte keine Lust nach dem eigentlichen Arbeitstag etwas unter Zeitdruck zu schreiben. Offensichtlich war ich mit meiner Anti-Haltung nicht alleine, es gefiel keinem. Doch die Kursleiterin war unbeeindruckt von unserem Raunen. Und das Resultat war nur genial. Ich war stolz auf mich, denn ich „schaffte“ in der vorgegebene Zeit eine kleine Geschichte, mit der ich sehr zufrieden war. Sie hatte einen Anfang, ein Ende, einen roten Faden und der Inhalt hatte Tiefe und Humor. Doch dann ging es weiter. Es klingelte in meinem Ohr: „Verlasse deine Komfortzone das zweite Mal heute!“ Völlig selbstverständlich bat die Leiterin unsere Geschichten vorzulesen. Auch hier ein Raunen im Raum. Empörte Fragen kamen auf. „Warum haben Sie uns nicht zu Anfang darauf hingewiesen, dass die Geschichten auch vorgelesen werden? Die Kursleiterin war sichtlich unbeeindruckt. Ihre Antwort war nur: „Ich zwinge keinen zu etwas. Wer vorlesen will, der tut es. Wer nicht, der nicht. Es wäre nur schade, da jede Geschichte ein wahrer Schatz ist.“

Sie sprach es aus. Und so war es. 10 Schätze hörten wir, u.a. auch meinen. Ich war beeindruckt, berührt von allen Geschichten. Und ich war beeindruckt von den Reaktionen von den Teilnehmern. Feedback zu den Geschichten zu geben und zu hören war einfach nur fabelhaft. Ich radelte euphorisch nach Hause. Alle Anstrengungen vom Arbeitstag waren verflogen.

Klar wurde mir danach, dass

1. ich mir den Zeitdruck selber gemacht habe

2. es gut tut aus der Komfortzone zu kommen

3. einige Glaubenssätze tief in uns verankert sind und sie unbedingt ausgegraben werden müssen, um eine Frischekur zu bekommen

4. ein Sprung ins kalte Wasser erfrischend sein kann und Lust auf mehr macht

Denkt doch mal zurück. Was habt ihr das erste Mal getan? Das erste Mal küssen, das erste Mal verliebt sein, das erste Mal in die Uni gehen, das erste Mal eine Sportart machen…

Alle erste Male haben etwas gemeinsam: Sie sind alle aufregend und spannend. Klar können sie auch enttäuschend sein. Aber wir können es nicht vorher wissen, bevor wir es nicht ausprobiert haben. Und dann kann es auch mit anderen Personen und in anderer Umgebung wieder komplett anders sein. Die Spannung bleibt. Genau das braucht unser Gehirn auch. Für unser Gehirn ist es bereichernd die Komfortzone zu verlassen sowie neue Inputs und Impulse zu erhalten. Es ist auf Leistung gepolt- egal in welchem Alter!

Aber viele Sachen liegen auch im Auge des Betrachters. Sind wir achtsam, sehen wir viele Dinge mit anderen Augen.

„Man sieht oft etwas hundert Mal, tausend Mal, ehe man es zum allerersten Mal wirklich sieht.“ (Christian Morgenstern)

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